„Büchereiarbeit ist ständige Bewegung“

Linda Dülme, Stephanie Führer und Pia Krell sind Leiterinnen von Katholischen Öffentlichen Büchereien im Erzbistum Paderborn im Ehrenamt. Sie sind drei von insgesamt 200 ehrenamtlichen Büchereimitarbeiterinnen und -mitarbeitern, die zum Diözesantag der Büchereien nach Paderborn kamen. Das Thema des Tages lautete: „Den Wandel wagen.“ In Workshops, einem Festvortrag und einem Gottesdienst ging es um die Frage, was die gesellschaftlichen und kirchlichen Umbrüche für die Büchereien bedeuten und welche Chancen und Herausforderungen für sie darin stecken. Für Linda Dülme, Stephanie Führer und Pia Krell gehört ständiger Wandel zu ihrer Arbeit dazu: „Büchereiarbeit ist ständige Bewegung“, stellten sie fest. „Wichtig ist, auf Menschen zuzugehen, Werbung zu machen und neues auszuprobieren.“ Dass die Katholischen Büchereien inzwischen allen Menschen offen stehen, egal, welchen Glaubens und Weltanschauung, versteht sich da von selbst – nicht nur bei den drei Leiterinnen.

200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim diesjährigen Diözesantag der Büchereien in Paderborn

Insgesamt zehn Workshops boten beim Diözesantag die Möglichkeit, neue Methoden und Ideen der Büchereiarbeit kennenzulernen. Themen waren unter anderem digitale Leseförderangebote, neue Gesellschaftsspiele oder ganz praktische Vorlese-Übungen. Linda Dülme, Stephanie Führer und Pia Krell entschieden sich alle für den gleichen Workshop. Das Angebot „Erzähl‘ doch mal von früher – Das Erzählcafé als gemeinschaftsstiftende Veranstaltung“ weckte das Interesse der drei Frauen. Das Erzählcafé ist eine in der Seniorenarbeit eingesetzte Methode, die ältere Menschen zur Auseinandersetzung mit ihrer Biografie anregen möchte.

Der Grund für die Entscheidung zu dem Workshop war bei den dreien jedoch unterschiedlich: „Ich habe noch nie etwas von dieser Methode gehört und möchte gerne mehr darüber erfahren“, so Pia Krell. „Ich mache derzeit vor allem Angebote für Kinder, aber es sind ja vielleicht auch andere Angebote sinnvoll.“ Linda Dülme hatte einen ganz konkreten Grund: „In der Nähe unserer KÖB entsteht gerade ein Zentrum für betreutes Wohnen, wo dann bald Senioren leben“, erzählt sie. „Vielleicht haben wir dann sogar die Möglichkeit, das Angebot gemeinsam mit Kindern zu machen, also die Generationen zusammenzubringen?“ Stephanie Führer hat dagegen schon Erfahrungen in der Seniorenarbeit: „Wir gehen mit dem Angebot „Besuch mit Buch“ in ein Altenzentrum, dort arbeiten wir dann mit Menschen mit beginnender Demenz. Ich hoffe, dass wir mit dem „Erzählcafé“ noch weitere Zielgruppen erreichen, die noch etwas fitter sind.“

Die Bücherei als pastoraler Ort bedeutend für die Gemeinde

In einem Festvortrag in der Kaiserpfalz gab Uta Keite, Geschäftsführerin der Büchereihallen Medienprojekte in Hamburg, zusätzliche Impulse. Die Büchereifachfrau ermutigte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu, sich im Sinne des Zukunftsbildes als pastoraler Ort in ihrer Pfarrei zu verstehen und damit als Gemeinde, die für alle offen sei. Keite würdigte die ehrenamtlichen Bücherei-Mitarbeiterinnen als engagiert, zuverlässig und empathisch. Mit ihren niedrigschwelligen Angeboten seien sie gerade auch für Kinder und Jugendliche interessant. Sie regte außerdem dazu an, bei der Entwicklung neuer Angebote gesellschaftliche Trends im Auge zu haben. Dazu zählte sie die wachsende Zahl von Menschen im Seniorenalter, die wachsende Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund oder die Tatsache, dass in Deutschland die soziale Herkunft bei den Bildungschancen immer noch eine viel zu große Rolle spiele.

„Wir bräuchten öfter solche Foren, allein, damit wir uns untereinander austauschen können“, sind sich Linda Dülme, Stephanie Führer und Pia Krell einig. „Wir können voneinander viel lernen.“ Viel Lob gab es von den dreien für die Büchereifachstelle des Erzbistums Paderborn unter der Leitung von Elisabeth Lappe-Oeynhausen, die den Diözesantag organisiert hatte. „Das ist für uns alle ganz wichtige Anlaufstelle für alle Fragen. Und wir bekommen von dort sehr viel Motivation.“

Ermutigung und Dank für den Einsatz „rund um das Wort, das Buch, den Film und überhaupt die Medien“ sprach Erzbischof Hans-Josef Becker allen KöB-Mitarbeiterinnen im Gottesdienst zu Beginn des Diözesantages aus, den er zusammen mit Dompropst Joachim Göbel, Präses der katholischen Büchereien im Erzbistum, im Hohen Dom feierte. In seiner Predigt berichtete er davon, als Kind mit der Taschenlampe unter der Bettdecke oft bis tief in die Nacht hinein gelesen zu haben. Bücher und literarische Texte hätten immer eine große Rolle für ihn gespielt. Der Erzbischof betonte die Bedeutung von Büchern gerade für Kinder und Jugendliche. Mit einem Zitat von Erich Kästner nannte er Leseerfahrungen „Bausteine aus einem Baukasten, mit dem man sein Leben lang baut“. Bei allen Veränderungen gerade im Bereich der Medien gelte eins nach wie vor: „Zu allen Zeiten brauchten Menschen gute Geschichten und Gedanken. Wer liest, denkt und lernt selber zu denken, lernt die Welt und die Menschen besser kennen, kann Erfahrungen machen, die ihm helfen, besser zu leben, zu glauben, zu lieben und zu hoffen“, so der Erzbischof.

Text: (leicht gekürzt): pdp / Dr. Claudia Nieser

Die Arbeit mit jungen Leuten macht mir besonders viel Spaß, mit den Mitarbeitern und den Lesern. Ich kann mich mit ihnen gut unterhalten und bekomme Anregungen. Ich bin jetzt fast 70, da ist die ehrenamtliche Arbeit in der KÖB so eine Art Gehirnjogging.
Paul Diehl, Netphen

Wir pflegen eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Kindergärten und Schulen. Die Kinderarbeit war erst ein bisschen zäh und schwierig, aber es läuft immer besser. Letztens haben wir ein Bilderbuchkino angeboten. Es war gut besucht. Im Herbst werden wir den „Lesehelden“ durchführen.
Birgit Drüppel, Bad Wünnenberg

Wenn es die Bücherei nicht gäbe, würde mir ein toller Treffpunkt fehlen, die netten Mitarbeiterinnen, die sozialen Kontakte rund ums Buch und natu?rlich auch die Kontakte zu den Leserinnen und Lesern.
Bernadette Wichmann, Benhausen

Ich mache Büchereiarbeit schon lange und immer noch gerne. Sie bietet mir vielseitigen Umgang mit Jung und Alt und ich hab’ Gelegenheit, meine Leselust weiterzugeben. Von den Borro-Renzensionen kann ich dabei profitieren und die vielseitige Unterstützung durch die Fachstelle mit bestmöglichen Informationen über aktuelle und wichtige Literatur erleichtern mir die Arbeit.
Ursula Klasmann, Herzebrock-Clarholz

Die Arbeit in der KÖB macht mir Spaß, weil ich gerne mit Menschen und Büchern umgehe und auch, weil ich das Gefühl habe, etwas Sinnvolles für die Allgemeinheit zu tun. Es ist auch schön zu sehen, wie Kinder für das Lesen begeistert werden und wir zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung beitragen können.
Beate Fresen, Bad Fredeburg

Die KÖB ist bei uns im Ort ein beliebter Treffpunkt, z.B. Sonntag nach dem Gottesdienst treffen sich viele Menschen, leihen aus, führen Gespräche. Die Arbeit mit den Familien und den Kindern ist mir sehr wichtig.
Christa Stoltz, Höxter-Fürstenau

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